Archiv für März 2007
Second Life – nur ein Hype? (Teil 2)
Langsam hegt sich doch etwas Kritik im deutschen Lande und immer mehr Blogger Journalisten entsagen dem Second Life Hype. Fast zeitgleich mit meinem ersten Artikel hat auch Mario Sixtus einen kritischen SL Artikel veröffentlicht und heute konnte man erfahren, dass Linden Labs zwar von 1,5 Milliarden Mitgliedern träumt ausgeht, aber bisher erst Raum für 100.000 gleichzeitigen Usern vorhanden ist.
Das der bisherige unendliche Raum in SL doch etwas knapp ist und die Technik nicht allzusehr begeistert, hat n-tv inzwischen auch herausgefunden.
Was wirklich hinter Second Life steht, erzählt hoffentlich auch Alvar Freude am 2.April auf dem Webmontag in Stuttgart. Er hat die von Linden Labbs veröffentlichten Zahlen einmal grafisch neu dargestellt und es kam überraschendes raus.

Obwohl die Neu-Nutzer sehr schnell, fast exponentiell steigen sieht man das die meisten aber nur kurz reinschauen und nicht stundenlang ihr zweites Leben dort verbringen wollen.

Dies wird noch einmal bestätigt, wenn man sich die Zahl der Premium-User einmal genauer anschaut. Allerdings muss man diese Kurve mit Vorsicht interpretieren, denn Premium-User melden sich natürlich nicht so schnell an und dementsprechend steigt die Kurve dann auch nicht so steil wie die Ich-will-nur-einmal-reinschauen Zahl, aber die Tendenz zeigt sie dennoch und die ist dann halt nicht steigend, sondern fallend.
Verboten
Die Verbote Trends im neuen Jahrtausend sind ganz anders wie damals in den 70ern. Statt „Rasen betreten verboten!“ findet man jetzt „Killerspiele verbieten!„. Auch das gute „Ballspielen verboten“ wird zeitgemäss durch ein „Raserspiele verbieten!“ ersetzt. Und erst der Blick auf die die Geografie unserer Erde ist inzwischen schon zu gefährlich für unsere Kleinen, wie Google Earth beweist. Was hätte Galileo dazu bloss gesagt?
Das Internet ist gefährlich und wir müssen unsere Bürger davor beschützen. Vielleicht sollten wir es einfach mal ganz abschalten, dann wird wieder alles gut.
Neuer Sakai 2.4 Release kommt
Was bedeutet ein neues Release? Wie viel Arbeit steckt dahinter? Wie komplex ist ein Lernraum?
Seit beginn von unserem Projekt im Jahre 1997 kamen immer wieder Kunden oder Studierende und sagten zu mir, sie würden mal schnell so einen Lernraum programmieren. Ich hab dann immer gelächelt (und ich lache heute immer noch, wenn ich die vielen LMS Projekte sehe) über die Naivität einer solchen Aussage.
Sakai 2.4 hat ca. 1 Mio. Codezeilen, 120 Entwickler haben daran gearbeitet. Es sind 274 Verbesserungen ins neues Release geflossen und es wurden 347 Bugs behoben. Es sind 3 neue Tools in das Framework als stable eingeflossen und 4 neue Tools sind als provisional ausgewiesen. Der Code ist seit gestern „eingefroren“ und das neue Release kommt dann am 4.Mai raus. Ich bin gespannt.
Skype als Echtzeit Übersetzer
Das man mit Skype nicht nur Audio und Video übertragen kann, sondern auch chatten, ist ja hinlänglich bekannt. Will man aber mal mit einem Ukrainer, Araber oder Chinesen chatten, muss man meist passen oder jeder chattet in englisch.
Das muss aber nicht mehr so sein, denn es gibt ab jetzt Transclick. Dieses tolle Programm übersetzt den geschriebenen Text on the fly in eine von 14 Sprachen. Was für eine geniale Idee, wenn es denn funktioniert.
Leider muss man sich auch für die Trial Version umständlich mit seiner Kreditkarte registrieren, was mich abgeschreckt hat. Wieder ein gutes Beispiel dafür, wie man eine tolle Idee, durch übertriebene Registrierungswünsche, kaputt machen kann. Wann lernen diese Vertriebler endlich, das weniger oft mehr ist. Vielleicht kann ja jemand mal seine Erfahrungen berichten oder ich werde es doch mal ausprobieren. Wir haben ja gerade 76 chinesische Austauschstudenten bekommen, das wäre bestimmt ein dankbares Testfeld:-)
Mit offenen Standards zukunftsicher programmieren
Für die Erstellung von E-Learning Content nutzen wir Programme und Autorentools die für Schnittstellen bzw. für die Datenhaltung offene Standards bieten und verarbeiten.
In XML erstellte Templates werden mittels XSL über unser Modell zur Erstellung von E-Learning-Content nach XHTML transformiert. Text, Bild, Video oder Flash sind ohne weiteres hinzuzufügen. Flash-Objekte kommunizieren über eine interne XML-Schnittstelle miteinander.
SVG und SMIL sind weitere zukunftsträchtige Mittel, Inhalte in einem austauschbaren Format unabhängig zu beschreiben. Leider fristen diese beiden XML-basierten Technologien noch immer ein Schattendasein.
Ich denke das man diese Techniken noch nicht abschreiben sollte, einerseits steigt die Akzeptanz auch seitens der Browserhersteller (SVG-Support in Firefox 2), andererseits auch deshalb weil SVG und SMIL leicht zu erlernen sind und aufgrunddessen das sie textbasiert sind, leicht von außen über Styles und DOM-Scripting weiter zu verarbeiten sind.
So wird wohl auch diese Technologie früher oder später Einzug in das E-Learning halten.
Second Life – nur ein Hype?
In letzter Zeit gibt es fast keinen Tag mehr, wo keine Meldung über Second Life durch die Medienszene geistert. Der Spiegel hat gleich mächtig zugeschlagen und berichtet fast täglich von Avatar Sponto. Die Bildzeitung hat ne eigene Ausgabe und jetzt kommt auch die EU auf die Idee dort eine Niederlassung zu eröffnen.
Was der Nutzen von Second Life ist, hat sich mir noch nicht erschlossen. Sims waren ja ganz nett aber warum ich in Second Life meine Zeit verbringen soll, weiss ich nicht. Einen Mehrwert zu einer Breeze-Konferenz sehe ich nicht, einen Lernraum zu ersetzen kann es auch nicht sein. dann ist da noch die technische Hürde. Unsere Studierenden haben ja schon Probleme mit einem Headset und Firefox, aber denen auch noch das zweite Leben zu erklären…nein da ist eine zu grosse Zumutung.
Die Teilnehmerzahlen sagen aber was anderes, aber das muss man mal relativieren. 3 Mio. Teilnehmer sollen jetzt dort sein. Wie viele Leichen dabei sind, lassen wir mal dahingestellt aber es gibt genug Communities in der Welt wo mehr los ist, z.B. World of Warcraft mit 8,5 Mio. Teilnehmern. Skype oder ICQ haben auch mehrere Millionen Benutzer und es wird nicht oder nur selten darüber berichtet.
Was lernen wir daraus? Anscheinend hat Second Life den Zeitgeist getroffen, da es für viele interessant ist und für andere ist es interessant, dass sich viele dafür interessieren. Das wäre dann ein Hype, siehe Tamagochi oder Zauberwürfel. Ob es wirklich ein Mehrwert ist, wird sich zeigen. Ich denke immer noch es ist ein Hype und solange werde ich mich mit meinem First Life auseinandersetzen, was schon schwer genug ist. Nochmal die gleichen Probleme, nur am Computer…wer braucht das?
Anerkennung beruflicher Leistungen und Kompetenzen auf Hochschulstudiengänge
Im Rahmen der 1. Vernetzungs-Konferenz am 07.03.07 in Hannover wurden die Aktivitäten der verschiedenen Ankom-Projekte vorgestellt. All diese wissenschaftlichen Projekte haben zum Ziel die Anerkennung beruflicher Leistungen und Kompetenzen auf Hochschulstudiengänge zu ermöglichen. Die gesamte Ankom Initiative wird vom BMBF gefördert. Das hehre Ziel, welche hinter dieser Förderung steht, ist bisherige Undurchlässigkeit der deutschen Bildungssysteme zu überwinden. Ohne eine Hochschulzugangsberechtigung ist es bisher nur durch Ausnahmeregelungen möglich ein Studium aufzunehmen und die Anerkennung beruflicher Leistungen, zum Beispiel aus der Berufausbildung und einer nachfolgenden Techniker und Meisterausbildung, ist in der Regel nur durch eine aufwändige Einzelprüfung bzw. einer geschickten Verhandlung mit dem zuständigen Professor möglich.
Die Erfahrungen während der Konferenz habe gezeigt, das die Anrechnungsverfahren zur Zeit noch nicht praktikabel sind bzw. noch in den Kinderschuhen stecken. Das Ziel der Vernetzung der verschiedenen Player wurde jedoch durch die vielen Gespräche und Eindrücke durchaus erreicht.



