Archiv für Oktober 2007
Bahn unterm Hammer
Frage: Was macht man mit unbequemen Fragen?
Antwort: Einfach dafür sorgen, dass sie niemand hören kann!
So geschehen bei dem Film „Bahn unterm Hammer“ von Herdolor Lorenz und Leslie Franke, der leider keinen Sendeplatz im TV gefunden hat. So werden die Kritiker an der Bahnprivatisierung totgeschwiegen. Zum Glück ist das Fernsehen aber nicht mehr der einzige Vertriebskanal für Filme und dank Webseite www.bahn-unterm-hammer.de, einem schönen Direktvertrieb und einem guten Trailer kann jeder den Film auch so sehen.
[youtube]8zkBzOS-hdg[/youtube]
Ein tolles Beispiel, was heute möglich ist. Inzwischen hat der Film über 70.000 Euro an Spenden bekommen. Das Thema Bahnprivatisierung wird in de Massenmedien leider wieder einmal viel zu unkritisch betrachtet. Nur Anne Will hat in ihrer neuen Sendung, eine sehr gute Diskussion darüber geführt und die Telepolis hat jetzt über den Film berichtet. Vielleicht werden die Politiker noch vernünftig und lassen die Bahn das machen, wofür sie da ist, nämlich um Reisende von A nach B zu bringen, und nicht damit Reiche noch reicher werden.
Zum Streik schreibe ich jetzt aber nichts. Hauptsache ich komme Donnerstag pünktlich nach Berlin, sonst mach ich keine Werbung mehr gegen eine Privatisierung. Liest den jemand der Bahn dieses Blog?
PDFs schnell und einfach mit Foxit PDF Reader
Über den Sinn und Unsinn von PDF-Dateien im Internet kann man lange und endlos diskutieren. Fakt ist, dass der Surfer gerne ausdruckt, aber HTML kein sehr gut druckbares Format ist. Vor langer Zeit wurde daher PDF erfunden und von der Firma Adobe flächendeckend eingeführt. Zum Erfolg des Formats hat sicherlich der freie Acrobat Reader geholfen. Inzwischen gibt es ihn in der Version 8 und leider wurde der Reader immer größer und langsamer.
Eine sehr gute Alternative ist der Foxit PDF Reader. Er ist nur 2,1 MB gross, statt 20 MB und startet innerhalb weniger Bruchteile von Sekunden, statt dem zeitlupen Aufruf vom Acrobat Reader. Er funktioniert tadellos mit allen PDF-Dokumenten, die ich hatte und das mit Firefox und dem Internet Explorer. Das gute daran ist, wie bei allen schnellen schlanken Lösungen, er ist umsonst. Natürlich ist er kein Ersatz für den grossen Funktionsumfang vom Acrobat Reader, aber wer nur PDFs anschauen und drucken will, wird ihn lieben.
Best of Medienkompetenz
Nun läuft mein Medienkompetenzkurs schon ganze sechs Wochen und meine Teilnehmer haben bisher wirklich was geleistet und jede Menge dazu gelernt. Gestern im Video-Konferenz-Chat haben sogar drei gesagt, sie wollen doch einmal Linux ausprobieren. Das hätte ich nie erwartet, und macht etwas stolz. Der Kurs hat insgesamt drei Aufgaben: Bloggen, Wikipedia und Internetrecherche. Die eine wollte ich hier kurz präsentieren, quasi ein „Best of“ oder besser ausgedrückt ein paar Impressionen.
Bei der Blog-Aufgaber sollte jeder ein Blog schreiben, um die Techniken des Bloggens kennenzulernen und auch alternative Informationsquellen, abseits der Massenmedien kennenzulernen. Einige sehr gute Beiträge will ich hier kurz posten. Jeder kann selbst mal kurz reinschauen. Es entsteht bestimmt ein kleiner Einblick, wie die Stimmung im Kurs ist.
- Blogrookie http://blogrookie.twoday.net/20070925/
- cBloggg http://cbloggg.twoday.net/stories/4325437/
- Grandmotherday http://evagb.twoday.net/stories/4271052/
- Ina und Medienkompetenz http://inasnoteblog.twoday.net/stories/4347411/
- bla http://bla.twoday.net/stories/4325629/
- Bloggerei http://dasistkeinzuschauersport.twoday.net/stories/4312370/
- Webjournaal http://webjoernaal.twoday.net/stories/4306900/
Natürlich haben auch die vielen anderen Beiträge von allen Kursteilnehmern einen sehr hohen Wert, aber ich kann hier leider nicht alles verlinken. Am 30.Oktober endet der Kurs und vielleicht gibt es dann noch einen Abschlussbereicht.
SternTV scheitert bei der Erklärung von Tauschbörsen
Gestern Abend ist ein Wunder geschehen, denn ich bin wirklich zufällig auf SternTV gelandet und habe den Bericht über Tauschbörsen im Internet gesehen. Ich selbst habe mich wegen meines Medienkompetenzkurses gerade 4 Wochen intensiv mit diesem sehr komplexen Thema auseinandergesetzt und war wirklich gespannt auf den Bericht.
Was dann aber passierte, war mal wieder sehr enttäuschend oder halt typisch für RTL und SternTV. Es wurden ein paar Fälle gezeigt, der Anwalt der Musikindustrie Clemens Rasch versuchte sich zu rechtfertigen und der Verbraucheranwalt Christian Solmecke versagte.
Einige Punkte, die mir in der Reportage aufgefallen sind, will ich kurz erwähnen.
- Die Musikindustrie hatte laut Rasch letztes Jahr einen verlust von einer Milliarde Euro. Laut IFPI selbst war der gesamte Umsatz der Musikindustrie 1,7 Milliarden. Wird da vielleicht Umsatz mit Gewinn verwechselt? Und wie kommt die MI darauf, dass jedes Tauschbörsen-File auch Umsatz generiert?
- In Hamburg bei ProMedia sitzen über 50 Mitarbeiter, die jeden Tag Jagd auf Raubkopierer im Internet machen. Mir kommt das so vor, als ob dort eine Privatarmee der MI sitzt und die eigenen Kunden verklagt. Und ist das nicht eigentlich die Aufgabe der Polizei und der Staatsanwaltschaft? Ich gehe ja auch nicht jeden Tag durch die Stadt, und schreibe Falschparker auf.
- Laut Rasch werden jeden Monat 5000 Abmahnungen zur Abschreckung verschickt. Jede hat einen Streitwert von 3.000-10.000 Euro. Das macht im Jahr einen Wert 100 Mio. Euro. Bei einem Umsatz von 1,7 Milliarden da nur von Abschreckung zu sprechen, ist etwas seltsam.
- Man sollte eine Unterlassungserklärung abschicken und die Tauschbörsensoftware deinstallieren, damit man in Zukunft nichts zu befürchten hat. Warum sollte ich der Firma, die mich verklagen will, denn Informationen liefern? Ich glaube da ist ein grundlegender Widerspruch. In Deutschland gilt immer noch die Unschuldsvermutung und ich schicke ja der Polizei auch keine Erklärung, dass ich auf der Autobahn nicht schneller als 130 km/h fahren werde.
- Die Deinstallation von Tauschbörsensoftware ist natürlich gänzlich überflüssig. Eine Software ist nie verantwortlich für die Inhalte. Nicht jedes File in Tauschbörsen ist illegal und niemand würde auf die Idee kommen Word zu deinstallieren, nur weil man damit Bombenanleitungen schreiben kann.
Was SternTV bei dem Bericht gänzlich vermissen hat lassen, ist der journalistische Auftrag. Es wurden eigentlich keine richtigen Fragen gestellt. Das veraltete Urheberrecht hat Defizite mit digitalen Inhalten und der Gesetzgeber vertritt hier die Interessen der Urheber und nicht der Verbraucher. Daher sind momentan die ca. 8 Mio. Tauschbörsennutzer kriminalisiert worden. das betrifft natürlich vor allem die digitale Generation, also vorwiegend Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Die Medienindustrie ist verschwindend klein, im Vergleich zur IT-Industrie, trotzdem, werden deren Rechte überbewertet. Wer mehr dazu wissen will, sollte sich die Interviews von Lawrence Lessig (Teil 1, Teil 2) beim Elektrischen Reporter einmal anschauen oder bei mir im Januar Medienkompetenz belegen:-)
Die Show des freien Wissens
Auf der Wizard of OS Konferenz im September 2006 wurde eine Live Veranstaltung aufgezeichnet, die es unbeding lohnt anzuschauen. Es geht um Open-Source, Open-Content als auch um freies WLAN sowie freie Filme. Projekte werden vorgestellt, Kurzfilme gezeigt und Fragen gestellt. Moderiert wurde das ganze von Helge Haas, dem bekannten Fernsehmoderator von Q21 und Kopfball.
Der Macher Matthias Spielkamp hat ein kleines Interview über die Show auf Netzpolitik.org gegeben. Damit man weiss was, was einen erwartet.
Die Show des freien Wissens ist ganze 110 Min. lang, aber jede Minute lohnt und macht bestimmt mehr Sinn, als „Wetten dass“ zu schauen. Zum Glück gibt es die Sendung im Netz mit sehr vielen Zusatzinformationen. Man kann locker 2 Tage mit den ganzen Quellen verbringen, die dort erwähnt sind. Mich hat vor allem das letzte Drittel der Show begeistert, wo es um Open-Content und DRM ging. Viel Spass
Löscheritis in der Wikipedia
In der letzten Zeit sammeln sich Berichte über steigende Löschaktionen der Wikipedias Admins bei neue Beiträgen. Das soll zwar nur ein deutsches Phänomen sein, aber würde dem deutschen Charakter entsprechen. Ich bin durch mehrere Heise Artikel darauf aufmerksam geworden.
Laut Heise hat die deutsche Ausgabe inzwischen 636.000 Artikel, aber neue Beiträge werden oft zu schnell gelöscht. Hier lohnt es ausnahmsweise auch die Kommentare durchzulesen, da dort viele enttäuschte Wikipedianer ihr Leid jammern.
Kurze Zeit später fast das Gleiche. Heise berichtet über ein neues Qualitätstool zum Markieren von guten Artikeln und in den Kommentaren melden sich wieder viele (vielleicht die Gleichen) Wiki-Schreiber, die von Lösch-Aktionen betroffen sind.
Die Wikipedia gilt als Vorzeigeprojekt für viele Bereiche, z.B. allgemein als Wiki fürs kollaborative Arbeiten, als DIE Web 2.0 Anwendung, aber auch für Open-Content. Die Wikipedia ist dabei immer noch sehr umstritten und jeder, der was Negatives zur Wikipedia liest, wird dann gleich sagen: „Hab ich doch immer gesagt, dass mit dem kostenlosen Wissen aus der Feder von Tausenden kann nicht klappen.“
Ich denke die 636.000 Artikel sprechen eine eindeutige Sprache und die Wikipedia wird jeden Tag besser, nicht schlechter.
In meinem Kurs Medienkompetenz müssen die Kursteilnehmer auch mit der Wikipedia arbeiten und versuchen Artikel zu verbessern. Ob dieses Experiment klappen wird, ist unsicher. Die ersten Berichte sind sehr vielversprechend und ich bin gespannt auf die Ergebnisse.
Die Wikipedia wird immer wichtiger und jeder von uns sollte auch die Erfahrung machen, was passiert, wenn die eigenen Inhalte, von fremden Admins gelöscht wird. Das ist zwar traurig, aber kein Grund zum Aufhören. Das Löschen kann viele Ursachen haben, die eine kann die Qualität sein, aber andererseits werden gute Artikel nicht an einem Tag geschrieben.



