Archiv für Juli 2009
Dank iPhone – das mobile Web kommt
Gestern hat Apple die Quartalszahlen vom iPhone veröffentlicht und es wurden unglaubliche 5,2 Mio. Geräte verkauft. Da im Jahr 2008 schon über 13,7 Mio. iPhones verkauft wurden, und im laufenden Jahr diese Zahl schon dank dem iPhone 3GS übertroffen worden ist, kann man davon ausgehen, dass sich das mobile Internet langsam aber sicher durchsetzt. Inzwischen haben schon viele Mobilfunkanbieter entsprechende Datenflate-Angebote in ihrem Portfolio und Vodafone hat in der neuen Marketingkampagne die junge Internetgemeinde als Zielpublikum entdeckt, ganz im Gegensatz zu den Volksparteien.
Was bedeutet dies aber für uns?
Inzwischen erleben wir eine Massen-Digitalisierung. Ich möchte jetzt gar nicht speziell vom E-Learning sprechen, da es hier nicht nur um Lehr- und Lernmethoden geht, sondern um die Zielgruppe. Was vor 8 Jahren im Festnetz mit DSL und Datenflatrate geschah, passiert jetzt im mobilen Bereich. Das bedeutet dass auch die Studierenden flächendeckend mobil lernen können, dank WLAN-Hotspots, UMTS-Netbooks und natürlich den Smartphones. Für die Hochschule bedeutet dies, dass die Inhalte digitalisiert werden sollten und zwar alle und das die Zugänge zu allen Plattformen (E-Mail, Zulassungsstelle, Sekretariate, LMS) auch für mobile Applikationen bedienbar sein sollten. Vielleicht ist ja auch bald die Zeit des PDFs ausdrucken vorbei und die Nutzer lesen endlich an den Bildschirmen, aber ich denke, das wird noch eine Generation dauern.
Fundstück – ein sehr schönes Video
Kreativität zusammen mit der richtig eingesetzten Technik vollbringt manchmal kleine Wunder
Die Musik spiegelt aber nicht meinen Geschmack wider, schön anzuschauen ist es trotzdem.
Unser oberster Datenschützer blogt
Seit drei Tagen ist nun auch unser höchster Datenschützer Peter Schaar fleissig am bloggen. Nachdem schon vor einigen Wochen ein Forum auf der Webseite das Licht der Welt erblickte, schreibt blogt Peter Schaar nun über aktuelle Themen rund um den Datenschutz. Diese Woche hat er schon über Facebook und die Datenschutznovelle geschrieben, was sehr spannend ist. Ich bin selbst Facebook Nutzer Tester aber zu den Datenschutzeinstellungen bei allen Social Networks hab ich eine zwiespältige Meinung. Es steht jedem persönlich frei was er dort Preis gibt, aber die Anbieter müssen die gesetzlichen Vorgaben leisten, was bei Facebook eindeutig nicht der Fall ist.
Peter mach weiter so, ich hab deinen RSS-Feed abonniert und werde die Artikel interessiert lesen. Ein Blog was die Welt braucht
PS Das Blog wurde als Forum angelegt. Es hat leider keinen Trackback oder eine Kommentarfunktion. Warum diese Form gewählt wurde, hat der Moderator transparent in einem eigenen Artikel erklärt. Ich persönlich finde die Entscheidung für diese Art des Blogs unglücklich.
Kritik am Zugangserschwerungsgesetz von Ursula von der Leyen wächst
Nachdem letzte Woche das Zugangserschwerungsgesetz vom Bundestag als auch vom Bundesrat verabschiedet worden ist, regt sich im Internet langsam Widerstand. Die Internetuser haben nicht nur die bisher größte Online-Petition mit über 130.000 Unterschriften gegen das Gesetzt unterzeichnet, nein inzwischen werden auch alle Aussagen von der Ministerin genau untersucht, wie z.B. das Indien und Kasachstan keine Gesetze gegen Kinderpornografie hätten, wie 90 andere Staaten auf der Welt. In etlichen Leitblogs (Netzpolitik, Lawblog, Spreeblick) wurden diese Aussagen widerlegt aber vom Ministerium ignoriert. Inzwischen hat die indische Botschaft offiziell auf die Äusserungen von von der Leyen reagiert und ihre Aussagen widerlegt. Im Netz wurde u.a. aufgerufen direkt bei der Botschaft nachzufragen und eine Stellungnahme einzufordern. Ich vermute, dass sicherlich hunderte Anfragen beim Botschafter eingegangen sind.
Das interessante bei diesem Vorgang ist, dass die Politiker anscheinend die Kraft des Netzes unterschätzt haben. Zwar haben die Leitmedien wie Spiegel, Zeit, Süddeutsche oder die FAZ noch nicht auf die Stellungnahme der indischen Botschaft reagiert, aber die Blogosphäre feiert den ersten Bericht auf Heise als Sieg. Man darf jetzt gespannt sein, ob Bundespräsident Köhler das Gesetz jetzt noch durchwinkt, oder ob der offene Brief des Arbeitskreises gegen Internet-Sperren und Zensur oder der Einspruch des MdB Tauss von der Piratenpartei noch Gehör finden.
Verfügbarkeit der E-Learning Systeme
Da es am Wochenende leider zu kleineren Ausfallzeiten unseres Lernraums gab, hier ein Überblick über die Verfügbarkeit unsere Systeme seit dem Jahr 2004.
Zwei Aussagen sind dabei sehr interessant:
- die Verfügbarkeit irgendein Systems war nie unter 99,2%
- das kommerzielle Blackboard System war geringfügig unzuverlässiger als das Open Source System Moodle
Dabei muss zu unsere Entschuldigung gesagt werden, dass viele Ausfälle nicht von uns beeinflusst werden können. Im letzten Halbjahr kam es z.B. zu mehreren Stromausfällen im gesamten Stadtteil, da nutzen auch USV nichts oder das Jahr davor ist in Hamburg ein Knotenpunkt von unserem Provider ausgefallen und ganz am Anfang (vor Einführung dieser Statistik) wurde bei Bauarbeiten unsere Glaskabel mit einem Bagger durchtrennt. Inzwischen haben wir aber zwei Glasfaser, wir haben bald einen zweiten Internetprovider und auch eine neue USV kommt demnächst. Diese Dienste liegen aber nicht in unserer Zuständigkeit, daher sind wir da auf die Mithilfe vom Rechenzentrum angewiesen. Trotzdem werden wir weiterhin Updates und Security Patches einspielen oder andere Systemarbeiten durchführen müssen und es kommen bestimmt neue Probleme, die wir alle noch nicht sehen.
Moodle Ausfälle am Wochenende – Danke an Support
Wir hatten am Wochenende ein paar Probleme mit unserem Moodle System. Die wöchentlichen Kurs Back-Ups haben das System überlastet und Moodle kam kurzzeitig dreimal aus dem Tritt und meldete einen Gateway Fehler. Die Kurs Back-Ups sind notwendig, damit Kursinhalte, Kursstrukturen, die nicht von uns zentral am Anfang des Semsters eingestellt werden, sondern dynamisch im Laufe des Semsters erstellt werden, auch gesichert und zurückgespielt werden können. Es ist im Moodle gar nicht so einfach auf hochgeladenen Dateien extern über ein Back-Up-System zuzugreifen, da sie mit Metadaten in der Datenbank verknüpft sind, daher der Weg der einzelnen Kurssicherungen. Wir sichern aber auch jede Nacht das komplette System, aber das ist eine zusätzliche Desaster Recovery Strategie, kein Kurs Back-Up.
Wir hatten den Fehler relativ schnell gefunden und behoben. Wir müssen aber zum nächsten Semesterstart den Workflow überarbeiten, denn es werden ja mehr Daten und Kurse und nicht weniger. Unser Moodle System wird immer größer und stellt immer höhere Anforderungen. Ich lese ja oft in Foren, warum es so kompliziert wäre ein Moodle System aufzusetzen. Ein Lehrer kriegt das mit seinem PC in 30 Minuten hin. Ein System für eine Kurs mit 30 Schülern ohne externe Schnittstellen, BackUp-Strategien, Hochverfügbarkeit, USV, Klimaanlagen und hoher Performance ist auch schnell aufgesetzt, aber nicht nachhaltig.
Das die Fehler schnell behoben wurden, haben sogar die Anwender mitbekommen, denn heute morgen haben wir sogar zwei nette Danke Mails erhalten. Das kommt wirklich nicht häufig vor und ist Balsam auf der Admin-Seele
Lag vielleicht am schönen Wetter oder das gerade Prüfungszeit ist, oder einfach daran, dass wir einen guten Job machen. Ich hoffe auf das letztere.
Piratenpartei – Braucht die Digitalisierung eine eigene Stimme?
An diesem Wochenende hat die fast neue Piratenpartei (immerhin schon drei Jahre alt) in Hamburg ihren Bundesparteitag gehabt und wollen mit ihrem Parteiprogramm (Ist das schon das Offizielle? Twitterlinks sind aktueller als Webseiten, aber Parteiprogramme gehören anscheinend besser in ein Wiki als in ein PDF-Dokument) den Bundestag entern. Die Geschichte der Partei ist hier schnell erzählt und dank Sommerloch und Bundestagswahl berichten auch viele Leitmedien (Zeit, SZ, Welt und ein lesbare Artikel im SPON und wirklich gut der Tagesspiegel) über die „Nerds“ der Parteienlandschaft.
Die Piraten haben im Moment gerade einmal 3000 Mitglieder (zum Vergleich CDU und SPD haben jeweils 500.000 und sogar die LINKEN haben 75.000 Mitglieder) und versuchen mit sehr viel Engagement eine Zulassung zur Bundestagswahl zu bekommen. Warum also diese mediale Aufmerksamkeit? Sind die Piraten eine kleine Untergrundpartei für irgendwelche Computerfreaks. die keiner Ernst nehmen muss oder ist es der Anfang, der Beginn von was Neuem („Change“)? Ich denke hoffe eher das Zweite, denn es gibt viele Anzeichen, dass die Themen der Piraten bei den ehemaligen Volksparteien (bei teilweise nur noch 20% Wählerstimmen und einer Wahlbeteiligung von 40% ist Der Begriff Volkspartei wohl eher falsch) noch nicht vertreten sind, bzw. falsch vertreten sind. Vieles rund ums Internet und der Digitalisierung werden von den Parteien anders interpretiert, als es die Internetuser anscheinend wollen. So gibt es stark unterschiedliche Meinungen zur Vorratsdatenspeicherung, dem Urheberrecht, Zugangsblockaden, Softwarepatenten oder der Breitbandversorgung. Der Antrag für eine Änderung der Zugangsblockaden haben mehr als 130.000 Deutsche unterzeichnet und auch die 9.000 Follower auf Twitter zeigen eher, dass es mehr Piraten geben könnte. Vielleicht ist es ja auch langsam Zeit, dass die Generation c64 aufsteht und ihre Themen selbst vertritt und das macht sie lieber per Wiki, Twitter oder YouTube und nicht per Brief, Talkshow oder Parteitag. Das der Durchschnitts-CDU Wähler mit seinen 64 Jahren dies nicht nachvollziehen kann, ist nicht verwunderlich, aber er sollte imho die Piraten nicht unterschätzen. Denn im Gegensatz zu den Linken und den Grünen, hat er keine politische Richtung, sondern es geht mehr um die korrekte Einführung einer Basistechnologie mit all ihren gesellschaftlichem Wandel und den dazugehörigen Problemen und das der Parteivorsitzende Jens Seipenbusch weiss wovon er spricht, kann man beim elektrischen Reporter nachschauen, aber nicht in der Tagesschau.
Ich fand es am Wochenende sehr spannend dem Twitterfeed zu folgen. Das war das erste mal, dass ich Twitter sinnvoll benutzt habe. Die Piraten haben eine sehr hohe Medienkompetenz und benutzen natürlich alle neuen Techniken um ihre Botschaft unter das Internet-Volk zu bringen. Ich bin auch gespannt auf den ersten Auftritt bei Illner, Will und Co und ob die Piraten überhaupt zur Bundestagswahl zugelassen werden. Ich will jetzt keine Verschwörungstheorie starten, aber neue Bilder von einem Auto auf dem Mond sind bisher auch nicht aufgetaucht.




