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Kommt ein Terrorist zur rechten Zeit

Jetzt hat es unser guter Wolfgang Schäuble geschafft und auch ich fühle mich gezwungen mal etwas über den SinnUnsinn der Online-Durchsuchung zu schreiben.

Es gibt einiges was mich an der Diskussion stört, daher ein paar knappe Worte:

1. Durch Äußerungen und Interviews beweist Herr Schäuble nicht gerade Fachkompetenz für das Medium Internet. Wenn der Entscheider aber Unwissenheit offen nach Aussen trägt, muss er auch damit rechnen, dass er in Frage gestellt wird.

2. Die Begründung das mehrere kompetente Menschen ihm versichern man brauche die Online-Durchsuchung unbedingt, heisst nicht viel, wenn man sieht wenn Herr Schäuble anführt, nämlich den BND, das LKA, die Polizei und das Innenministerium. Das ist als ob ich die Zigarettenindustrie, ne Eckkneipe und einen Tabakklub frage, was sie vom Rauchverbot halten.

3. Aussage Herr Schäuble: „Es werden höchstens 5-10 Online-Durchsuchungen im Jahr geben. Alles andere wäre zu aufwendig!“ Normalerweise wird ein Informatiker ein Programm schreiben, was überall problemlos einzusetzen ist. Er koppelt es mit dem Betriebssystem oder dem Übertragungsprotokoll oder dem Mail-Programm. Es wird also überall und millionfach laufen, dafür sind Informatiker und Computer und das Internet da!

4. Wer nix zu verbergen hat, brauch auch keine Angst haben. Das ist die falsche Aussage! Wer nix zu verbergen hat, braucht auch nicht überwacht werden! Bei uns gilt die Unschuldsvermutung und kein Generalverdacht.

Anfang September waren nur 35% aller Deutschen für die Online-Durchsuchung, jetzt nachdem 3 Terroristen geschnappt worden sind (ohne Online-Durchsuchung) und in den Medien wieder Terrorängste geschürt worden sind, sind es plötzlich 70% geworden. Ich habe nix gegen Verfolgung von Straftätern und aus gegebenem Anlass und nach richterlichem Beschluss, kann auch abgehört werden, aber das was Herr Schäuble will, macht Angst. Die ernsthafte Diskussion vermisse ich hier sehr, vor allem in den Massenmedien. Wenn Fragen gestellt werden, wird man gleich als Terrorfreund und Verharmloser dargestellt. Ich darf mir gar nicht vorstellen, was passiert, wenn bei uns etwas passieren sollte.

Zu guter letzt noch ein Aufruf, was ich selten mache, aber hier ist es angebracht. Am Sonntag, den 22.September soll in Berlin demonstriert werden.

Freiheit statt Angst

Gegen die Online-Durchsuchung, gegen Stasi 2.0, gegen die Vorratsdatenspeicherung für mehr Freiheit und mehr Miteinander!

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6 Kommentare zu “Kommt ein Terrorist zur rechten Zeit

  1. Der FilmDas Leben der Anderen ist doch noch nicht lange heraus. Hat man aus Stasi und Co nichts gelernt über die Struktur von Machtsystemen? Informationen (Text) brauchen immer einen Kon-Text. Und wehe, wenn der falsche Interpreter am Hebel sitzt. Schön war sie, die Ballade vom guten Menschen.

  2. Dem kann ich nur uneingeschränkt zustimmen. Herr Schäuble und viele andere Politiker (nicht nur) aus dem konservativen Lager betreiben seit langem eine Demontage freiheitlich-demokratischer Grundsätze. Die Erfahrung lehrt, dass einmal geschaffene Tatsachen weitere Begehrlichkeiten wecken (siehe Toll-Collect!) und sich eine staatliche Spionagesoftware unter Garantie massenhaft auf den Computern vieler Bürger tummeln dürfte.

    Wenn viele halbwegs kompetente User die Sicherheitslücken der Online-Kommunikation kennen, dann werden sich auch Terroristen nicht im virtuellen Raum verabreden. Was bleibt, ist die Ausspähung unbescholtener Bürger, die dann schnell mal mit einem kritischen Beitrag in einem Blog etc. ins Visier der Sicherheitsbehörden geraten können. Allein schon das Wissen um staatliche Spionagesoftware könnte dann für eine zunehmende Tendenz zur Selbstzensur führen. Nicht zu vergessen, dass insbesondere in Web 2.0 das Potenzial zur Bildung virtueller Gegenöffentlichkeiten steckt – und das dürfte vielen Politikern ein Dorn im Auge sein.

    So werden mit der Schaffung düsterer Bedrohungsszenarien immer weitere und tiefere Grundrechtseingriffe pseudolegitimiert. Ebenso steigt in einem massenmedial geschaffenen Klima der Angst die Akzeptanz der Bevölkerung für derartige Maßnahmen, während das Bewusstsein für die Bedeutung von Bürgerrechten sinkt.

  3. Ich finde es Fehl am Platz, wenn in diesem Blog persönliche Meinungen – ob gegen Bild oder wie jetzt gegen Schäuble – gepostet werden.

    Es ist hier schliesslich ein Blog, der sachbezogen und neutral über die Themen berichten sollte. Es arbeiten bei oncampus schliesslich auch noch andere Kollegen, die evtl. diese Meinungen nicht teilen (wie z.B. ich).

    Ausserdem ist die Fachhochschule Lübeck inhaltlich verantwortlich und ich kann mir vorstellen, dass einige Einträge beim Rektorat nicht unbedingt so gut ankommen….

    Ich mache darauf aufmerksam, dass ich einiges was hier gepostet wird, differenziert betrachte.

  4. lol? war das nun unser ureigener lehrer, der hier testen will in wie weit wir uns mit blogs auskennen?

    falls nicht, dann ist ingo lustig. sogar sehr lustig. subtile drohungen und sandkastengehabe – bitte gleich beim herrn innenminister als blockwart bewerben!

  5. Ich finde, dass der Sinn von Weblogs allgemein die Wiedergabe persönlicher Meinungen ist und nicht offizielle Stellungnahmen enthält. Also mehr ein Diskussionsforum und vor allem deshalb werden sie ja auch gelesen.
    Hierzu (m)ein persönlicher Beitrag aus technischer sicht: es mag ja sein, dass die Ersteller des Bundestrojaners gutachterlich nachweisen können, dass so ein Virus auf Grund seiner hohen Komplexiät eine absolut sichere Sache ist, die nicht in falsche Hände gerät. Abgesehen davon, dass ein so angesprochener Terrorist seine digitalen Informationen wohl eher auf einem Stick mit sich herumträgt, als sie auf einer Festplatte zu hinterlassen, so ist es doch immer nur eine Frage der Zeit, wann die „Gegenseite“, dazu rechne ich auch Geheimdienste anderer, z.B. fernöstlicher Staaten oder auch aus dem Unterweltsmiliieu, durch Experten derartige Trojaner analysieren und kopieren. Das führt dann in eine endlose Spirale, bei der zumindest eine Seite, oder gar beide, zu Vernunftregelungen nicht willens ist, im Gegensatz zu den Abrüstungsvereinbarungen früherer Jahre (Atombomben, Interkontinentalraketen), wo das noch möglich war.

    Im Gegenteil, man sollte sich dafür stark machen, das Erstellen solcher und ähnlicher Viren überhaupt zu unterbinden und das EU-weit durchzusetzen, also Alleingänge einzelner Regierungen nicht zuzulassen, sondern die sollten eher ein gutes Vorbild in dieser Hinsicht abgeben. Es wäre daher schön, wenn man beim Phishing anfängt und dieses erstmal juristisch einwandfrei und mit voller nachhaltiger Exekutive unterbinden könnte, denn inzwischen warten schon noch subtilere kriminelle Methoden vor der Tür, bei denen man nicht erst eine Anlage der e-mail öffnen muss, sondern das Anklicken einer Webweite allein schon Folgen nach sich zieht, u.a. auf lange Sicht auch die einer totalen Verunsicherung!

  6. „Ich finde es Fehl am Platz, wenn in diesem Blog persönliche Meinungen – ob gegen Bild oder wie jetzt gegen Schäuble – gepostet werden.“ by Ingo
    Die eigene Meinung ist vielleicht in der Intention des Beitrags zu finden, im Texte selbst findet man vielmehr eine gute Auflistung dessen, was ein jeder bei der Frage um die Online-Durchsuchung oder der Vorratsdatenspeicherung bedenken solle. Wo ist so etwas besser aufgehoben, als in einem Blog einer Hochschule? Und als kleiner Tipp mit auf den Weg, lieber Ingo: Differenziert sollte man eigentlich alles betrachten, nicht nur „einiges“.

    Zum Thema: Wer leider nicht dabei sein konnte, aber dennoch helfen möchte, sollte sich vielleicht folgenden Artikel durchlesen:
    http://netzpolitik.org/2007/der-ak-vorratsdatenspeicherung-braucht-geld/

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