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Rückblick Learntec 2011

Es ist zwar etwas spät, jedoch noch nicht zu spät. Ich war dies Jahr mal wieder auf der Learntec (zum zweiten mal nach 2007 und zum Glück hab ich dieses Blog um nachzuschlagen, dass es 2007 war) und hab den Moodle Workshop am Donnerstag nachmittag moderiert.

Die Learntec hat ein tiefes Tal durchschritten und galt vor zwei Jahren fast als tot, aber Totgesagte leben länger. Dank Prof. Dr. Henning erstrahlt die Learntec jedoch wieder mit neuem Konzept und vielen Besuchern. Es hat sich einiges geändert, so ist die Fachmesse umgezogen in eine größere Halle mit mehr Platz und vor allem mit einer Catering Ecke mit vielen Sofas und Sitzecken (die leider alle etwas laut sind). Die beste Neuerung sind jedoch die beiden Foren (Bildungsforum und Kundenforum) im Ausstellerbereich, wo es zusätzliche öffentliche Vorträge und Präsentationen gab, die ohne Fachmessebeitrag zu sehen waren. Ich denke das wertet die Fachmesse enorm auf und vermittelt Nähe zwischen Kunde, Aussteller und vor allem den E-Learning-Themen. Zusätzlich gibt es dort Sitzmöglichkeiten, die man doch immer mal wieder sucht 🙂

Der Kongress war für mich durchwachsen. Ich fand die Keynotes teilweise exzellent, da sie gerade nicht direkt auf E-Learning Themen zielten. Wie oft hab ich schon Keynotes über LMS, E-Portfolios, Videostreaming oder Web 2.0 gehört, die nichts neues gezeigt haben. Bei der Learntec hingegen wurden Randgebiete in den Vordergrund gestellt, die für mich gänzlich unbekannt waren. So hat ein Hirnforscher etwas übers Priming und das Langzeitgedächtnis berichtet oder der Google Chef Deutschland hat berichtet, wie man Grippeepidemien vorhersagen kann oder das Google schon vor Lena wusste, dass sie gewinnt. Für mich sind gerade diese Randgebiete interessant, denn dort verbirgt sich Neues und damit die wahre Innovation. Das zeigte sich auch beim Vortrag von Wolfram Alpha, denn hier hat man exemplarisch gesehen, wie aus einer Mathematik-Software eine wissenschaftliche Suchmaschine geworden ist. Und dank  API und Widgets kann man damit inzwischen sehr schnell sehr gute mathematische Learning Objects  entwickeln und dank Web 2.0 in alle LMS integrieren.

Neben den Keynotes waren natürlich sehr viele andere Vorträge auf der Learntec. Leider waren die meisten für mich nicht sehr spannend, was aber wohl daran liegen könnte, dass ich schon sehr viel anderswo gelesen und gesehen habe. Einen sehr guten Überblick dazu gibt es im Weiterbildungsblog, wo auch andere Blogquellen verlinkt sind.

Ein weiteres Highlight war sicherlich auch die Vorstellung des Lehrbuchs fürs Lernen und Lehren mit Technologien kurz L3T. In diesem wirklich innovativen Projekt wurde mit Hilfe dieser beschrieben neuen Technologien ein umfassendes elektronisches Werk von dutzenden E-Learning Experten verfasst und jetzt vorgestellt. Ich hoffe ich werde in diesem Jahr noch Zeit haben, mich damit zu beschäftigen, denn die Vorstellung habe ich leider verpasst.

Es gab aber auch einige negative Punkte zur Learntec. So gibt es immer noch kein freies WLAN, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Auf der einen Seite wird über Open Access, Freie Bildung und Copyright und modernste Internet Technologien geredet und auf der anderen Seite gibt es kein Internet und niemand kann twittern, bloggen oder chatten. Daher empfand ich die leere Twitterwall im Eingangsbereich auch exemplarisch dafür. Das zweite was mich gestört hat, war die Entfernung zwischen Kongress und Fachausstellung und das ständige scannen, der sehr freundlichen Helfer von den Tickets. Ich denke das geht leider nicht besser, aber stören tut es trotzdem. Leider haben mich auch einige nicht sehr innovative Vorträge gestört, aber auf allen Konferenzen gibt es gute und schlechte Vorträge. Hier sollte besser das Zielpublikum angesprochen werden, da es für mich nicht ersichtlich war, ob der Vortrag für einen Neuling oder für einen Experten war.

Zu guter letzt zu meinem Moodle Workshop. Vorneweg muss ich sagen, dass ich den Sinn von speziellen Software Vorträgen, hier Moodle, nicht mehr zeitgemäß finde. Für mich gibt es kaum Unterschiede zwischen Moodle, Fronter, Clix und Olat. Natürlich wird jeder Sales Manager was anderes behaupten, das müssen die aber auch:-)  Folglich sollte man eher über den Einsatz von LMS unterhalten, anstatt eines speziellen LMS. In der Praxis zeigt sich jedoch, und das haben auch meine beiden Impulsvortragenden Kollegen Frau Franziska Öllinger von der Uni Wien und Frau Claudia Staudte von der Uni Leipzig bestätigt, dass ein LMS meist als Framework eingesetzt wird und nach speziellen Bedürfnissen angepasst wird. Dies geschieht umso leichter und billiger, wenn das LMS Open Source ist. Es ist aber auch bei allen kommerziellen LMS möglich, meist braucht man dann aber externe Ressourcen (meist Geld).

Frau Öllinger hat dann in einem 30 Minuten Beitrag ein Performance Tracking Tool (PPT) für die Evaluierung und Nachvollziehbarkeit von Bewertungen in Blended Learning Lehrveranstaltungen an der Uni Wien vorgestellt. Es ist eine Eigenentwicklung um die Organisationsabläufe von Vorprüfungen ohne Medienbrüche (kein Papier) zu verbessern. Es ging hier also Vorrangig um eine Entlastung der Verwaltung, was auch gelungen.

Performance Tracking Tool der Uni Wien

Danach hat Frau Staudte aus dem ESF Projekt TC-Chemie der Uni Leipzig einen „Universiell einsetzbaren Editor zur Erstellung naturwissenschaftlicher-technischer Aufgaben für die Lernplattform Moodle“ vorgestellt. Es ist ein flashbasiertes Tool für Drag & Drop Aufgaben und mit einer Rückmeldung ins Moodle Gradebook.

Vortrag: Editor zur Erstellung naturwissenschaftlicher-technischer Aufgaben

Beide Projekte zeigen exemplarisch, dass Moodle nur als Framework eingesetzt wird und dank der Open Source Schnittstellen ideal erweitert werden kann. Jede Lösung wäre aber auch mit einem anderen LMS möglich gewesen. Ich habe als Moderator dann noch ein paar Fallbeispiele aus unseren Moodle-Erfahrungen dargestellt und die Diskussion geleitet.

Vortrag Moodle Workshop

Die größte Aufmerksamkeit hatte dabei die Nutzung der Evaluation, wo doch einige Meinungen stark auseinandergingen. Der Moodle Workshop litt auch wie andere Veranstaltungen bei der Learntec, über eine sehr gemischte Audienz. So hatten zwei der 25 Teilnehmer noch nie Moodle gesehen und andere waren Profis und lehrten schon seit Jahren in Moodle. Da war eine gemeinsame Ausgangslage schwer zu finden und viele Zuhörer musste sich langweilen, da die Moodle Grundlagen ja schon bekannt waren. Später war die Diskussion dann aber sehr professionell und die Anfänger konnten ihr kaum folgen, was natürlich auch nicht ideal war. Am Ende waren jedoch alle sehr begeistert und das Feedback war durchweg positiv. Allerdings konnte man bei der Veranstaltung schlecht von einem Workshop sprechen, da wir nicht richtig gearbeitet haben. Zum Glück gab es viele offene Diskussionen, aber für einen richtigen Workshop blieb auch bei 2,5 Stunden, dank der beiden Impulsvorträge und dem sehr unterschiedlichen Kenntnisstand der Teilnehmer keine Zeit.

Mein bzw. unser Fazit des Workshops war daher, dass der Workshop zwar ein Erfolg war, er sollte in dieser Form aber nicht wiederholt werden. Als Alteranative würde ich einen Moodle Anfänger Workshop in kleinem Kreis empfehlen (wenn die Learntec dafür der richtige Platz ist) und dann eine Vortragsreihe über „Das LMS als Framework“ mit Exzellenz Beispielen von verschiedenen Hochschulen. Themen könten dann u.a. sein: LMS Anbindung an HIS, Zensurverwaltung, Integration eines Webkonferenzsystems, Stundenplanverwaltung oder Einbindung eines Multimediarepositories oder auch Gruppenlernen mit GoogleEarth.

Ich bedanke mich noch einmal an dieser Stelle bei der Learntec für die Einladung und bei Frau Öllinger und Frau Staudte für die tollen Impulsvorträge.

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